• Diane

Lehrer*innen erzählen aus ihrer Schulzeit am Humboldt…

Aktualisiert: März 21

Interview-Leitung: Diane

Herr Augner, Frau Wallenhauer und Herr Dr. Würtz, ehemalige Humboldt-Schüler, haben sich netterweise bereiterklärt, uns einige Fragen zu ihrer Schulzeit zu beantworten.

Redaktion: Warum sind Sie zu der Schule, an der Sie auch Schüler waren, zurückgekehrt?

Herr Augner: Ich habe an dieser Schule wegen des Freiraums, den ich hatte, extrem viel für das Leben gelernt. Ich habe als Schüler viele Veranstaltungen, darunter meine ersten Gedenkstättenfahrten, organisiert - neben dem Unterricht und manchmal anstelle des Unterrichts konnte ich mich so in vielem, was für mich wichtig war und ist, üben und vielfältig engagieren. Und die Lehrer*innen und die Schulleitung haben mich dabei unterstützt. Die liberale Grundhaltung der Schule, die sich auch in der Zugänglichkeit des Lehrerzimmers zeigt, fand ich als Schüler normal, doch wurde mir diese positive Besonderheit erst im Laufe des Referendariats deutlich. Da ich als Lehrer jungen Menschen ähnliche Entfaltungsmöglichkeiten und Unterstützung ermöglichen möchte, schien mir diese Schule - zurecht - ein passender Arbeitsort zu sein.

Frau Wallenhauer: Ich habe hier als Schülerin viele positive Erfahrungen gesammelt. Ich habe mich immer gut gefordert und gefördert gefühlt. Auch im Studium habe ich gemerkt, dass die Schule mich optimal auf die Studienzeit vorbereitet hat. Diese Art des Unterrichtens, das Bieten einer Herausforderung bei gleichzeitiger Unterstützung, um das Beste aus den Schüler*innen herauszuholen, ist genau das, was auch ich weitergeben möchte. Deshalb bin ich froh, dass ich die Chance zur Rückkehr im Referendariat erhalten habe und nun auch als "fertige Lehrerin" hier bleiben kann.

Herr Dr. Würtz: Ich war schon einige Zeit in der Wissenschaft tätig, als ich merkte, dass der erfreulichste Teil meiner Arbeit an der Uni mit den Studierenden zusammen geschah: Die Vermittlung von Wissen (egal welchen Themas) ist einfach eine sehr eindrückliche und befriedigende Tätigkeit. Im Zuge der Ausbildung von Quereinsteigern an Berliner Schulen zu „richtigen“ Lehrern trat auch dieser Bereich für mich immer mehr in den Bereich des Möglichen. Als Herr Dr. Kayser mir im Rahmen einer Initiativbewerbung die Chance gab, an meiner „alten Penne“ zum Lehrer zu werden, so dachte ich mir: „Hier und jetzt oder nicht mehr so bald!“ Tatsächlich empfinde ich es als ein persönliches Geschenk in den Räumen, in denen ich selbst Elementares gelernt habe, bei anderen, jüngeren Menschen Scientias Flamme zu entzünden und weiterreichen zu dürfen.

Redaktion: Was hat sich an Ihrer Sicht auf die Schule verändert, als Sie hier Lehrer*in geworden sind?

Herr Augner: Mh, da müsste ich noch mal länger drüber nachdenken... Vielleicht, dass auch der räumliche Freiraum heute kleiner ist. Es gibt deutlich mehr Schüler*innen, nach meinem Abi wurde der Pavillon gebaut…

Frau Wallenhauer: Ich denke, dass sich generell eine ganz neue Welt eröffnet, wenn man als ehemalige Schülerin, die sich vermeintlich mit dem System Schule auskennt, mit der Arbeit als Lehrerin beginnt. Erst dann sieht und erlebt man die Mühe hinter diesem Konzept von gezielter Herausforderung bei gleichzeitiger Unterstützung. Im Nachhinein kann man natürlich die Arbeit seiner früheren Lehrer*innen viel mehr würdigen. Aber diesen Aha-Effekt trifft wohl jeden Berufsanfänger in der Lehrerschaft irgendwann. Speziell auf die Schule bezogen, ist die Frage schwer zu beantworten. Die Schule, die ich als Lehrerin betrete ist gefühlt eine andere als die aus meiner eigenen Schulzeit. Für mich ist sie inzwischen weniger meine frühere Schule, sondern eben mein Arbeitsplatz, so dass sich wohl mein gesamtes Erleben dieses Ortes verändert hat.

Herr Dr. Würtz: Die Schule ist natürlich von einem Ort des Erwachsenwerdens zu einem Arbeitsplatz geworden, da verändert sich schon ganz schön die Sicht. Klar auch, dass ich heute viel mehr die Klasse als Gesamtgebilde im Blick habe, als damals nur meine eigene peer Group. Mag sein, dass ich heute auch außerschulische Feste und Feierlichkeiten (z.B. Musikabende) mit ganz anderen Augen sehen kann, als zu meiner Schülerzeit. Aber gerade daraus hinaus auch die Kenntnis, dass einiges, das Lehrer und Eltern super finden, bei Schülern gar nicht so gut ankommt. Aber auch umgekehrt gilt dies…

Redaktion: Was hat sich von damals bis jetzt an unserer Schule am meisten verändert?

Herr Augner: Zu meiner Schulzeit gab es noch keine Schnelllerner-/Schnellläufer-Klassen.

Frau Wallenhauer: Seit meiner Schulzeit haben sich viele Dinge im Kleinen und im Großen verändert. Ich glaube, als Erstes sind mir die vielen Förder- und auch Unterstützungsangebote für die Schüler*innen aufgefallen. Die sind wirklich toll! Die Humboldtkurse, das HumboldtPlus-Team usw. existierten zu meiner Schulzeit noch nicht. Auch im Bereich der digitalen Ausstattung ist einiges passiert. Früher war der Beamer unten in der Biologie HighTech pur, während wir nun (fast) überall Smartboards haben. Damals war die Schule gerade erst auf dem Sprung zur Ganztagsschule und das 60-Minuten-Modell gab es auch noch nicht. Ich selbst gehörte hier auch zum letzten Jahrgang, der noch 13 Jahre zur Schule gegangen ist. Genauso ist aber auch einiges unverändert geblieben. Relativ viele Lehrer*innen von damals sind noch da und auch die Cafeteria hab ich ganz genauso wie heute in Erinnerung. Der Weg zum grünen Haus ist noch immer lang und die Toilette im Biologietrakt könnte auch noch immer eine Sanierung vertragen.

Herr Dr. Würtz: Den Vergleich zu den Neunziger Jahren meiner Schulzeit zu ziehen, fällt mir sehr schwer, da einerseits mein Blickpunkt damals ein ganz anderer war und andererseits das halt auch schon ein Vierteljahrhundert her ist (Abijahrgang 1995).

Im Vergleich zu 2015, als ich das zweite Staatsexamen absolviert habe, ist das Kollegium deutlich jünger geworden, was ein toller Prozess ist, wenn man sich die Berliner Schullandschaft anschaut.

Meiner Meinung nach können die Schülerinnen und Schüler heute in immer mehr Fächern und immer mehr Stunden deutlicher über Ihren eigenen Lernfortschritt mitentscheiden. Die Partizipation auch von Schülern und Eltern hat spürbar zugenommen – das ist gut so!

Die Recherchemöglichkeiten haben sich für uns alle verbessert. Fast jeder Schüler schleppt heutzutage ein kleines Gerät mit sich herum, dass das gesamte Wissen der Menschheit eröffnet, wir müssen uns nur zielgerichtet bedienen! Die Digitalisierung hat in den letzten Monaten zwangsweise extrem zugenommen, ich bin froh, dass ich zwar nicht mehr der „Generation Instagram“ angehöre, wohl aber noch der „Generation Facebook“, so dass ich denke, dass ich bei vielen elektronischen schulischen Herausforderungen wohl gerade noch so mithalten kann.

Das beste und erstaunlichste Ergebnis, dass ich in letzter Zeit gesehen habe, war ein YouTube-Video, das Schülerinnen in unserem Physikunterricht entwickelt haben, obwohl „nur“ ein Portfolio gefordert war. Da hat sich wirklich etwas verändert.

Redaktion: Welche Lehrer*innen waren schon an der Schule, als Sie noch Schüler*in waren?

Herr Augner: Die meisten Kolleg*innen, die mich unterrichtet haben, sind in den letzten Jahren in Pension gegangen, jetzt sind es noch Frau Schmidt-Decker, Herr Steinert, der seine Examensstunde in meiner Klasse hatte, und Herr Zschunke.

Frau Wallenhauer: Ich habe mein Abitur 2011 gemacht und tatsächlich noch relativ viele meiner früheren Lehrer*innen hier angetroffen. Es entstanden anfangs häufig diese typischen "Kennen wir uns nicht?-Momente" mit vielen interessanten Gesprächen über damals und heute. So haben mich zum Beispiel Andreas Noack und Jörg Koslowski in Latein und Deutsch in der Mittelstufe begleitet, während Frank Müller mich früher im Leistungskurs Deutsch unterrichtet hat. Da ich nun neben Biologie auch Deutsch unterrichte, ist damals wohl einiges richtig gelaufen.

Herr Dr. Würtz: Herrn Dr. Kayser, Herrn Noack und Herrn Zschunke durfte ich selbst noch als Schüler erleben und anfangs war dies doch schon ganz schön komisch, inzwischen ist die Zeit der Arbeit als Lehrer schon deutlich länger, als ich die Kollegen im Unterricht erlebt habe. Viele meiner ehemaligen Lehrer*innen sind erst vor kurzem in den Ruhestand gegangen, so dass ich sie noch sowohl als Schüler, als auch als Kollege erlebt habe. Ich glaube, dass es eine schöne Tradition an unserer Schule ist, dass sich auch immer wieder ehemalige Schüler sich für die Humboldt-Schule als Arbeitsmittelpunkt entscheiden. Ich bin sehr gespannt darauf, dereinst die ersten ehemaligen Schüler als zukünftige Kollegen an der Schule wiederzusehen.

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