• Schüler*innen

Schreibwettbewerb "Inseln"

Aktualisiert: Apr 3

Während des Lockdowns hat die Schule zu einem Schreibwettbewerb ausgerufen. Aufgabe war, eine Kurzgeschichte zum Thema „Inseln“ zu schreiben. Dabei sind viele spannende, lustige und emotionale Geschichte entstanden, die es auf jeden Fall wert sind, hier abgedruckt zu werden! Jahrgangsstufe 5-7: Lucys Insel Es war 12:59 Uhr und ein Zug fuhr ratternd in den Bahnhof von Egersdorf ein. Ein Mädchen stieg aus dem letzten Wagon und ließ sich auf der nächsten Bank nieder. Sie kam aus einem Waisenhaus in Berlin und war nun zu ihrer Großtante geschickt worden, da ihre Pflegefamilien sie nie länger als zwei Monate hatten behalten wollen. Sie war 13 Jahre alt und hieß Lucy. Eine etwa 50-jährige Frau schob sich in ihr Blickfeld: „Lucy? Du bist doch Lucy, oder?“ Lucy sah zu ihr hinauf und nickte stumm. „Sehr gut, ich bin Pauline Meiner, für dich Paula.“ Lucy blieb weiterhin stumm. „Du redest nicht gern, was?“ Als Lucy zaghaft den Kopf schüttelte, meinte sie: „Ist gut Schätzchen, red nicht, wenn du nicht willst.“ Damit schnappte sie sich den Koffer und winkte Lucy, ihr zu folgen. Paula wohnte in einem Haus nah am Bahnhof. Als sie da waren, schleppte Paula den Koffer eine Treppe hinauf und zeigte auf einen Raum: „Das ist dein Zimmer, ich hoffe es gefällt dir. Räum schon mal alles ein, ich mache in der Zeit etwas zu essen.“ Dann war sie weg und ließ Lucy allein. Diese sah sich um: Es gab ein Bett mit gelber Wäsche, die dieselbe Farbe hatte wie zwei der Wände. Auch gab es noch ein Regal, einen Schrank und einen großen Schreibtisch, außerdem eine Lesenische mit vielen Kissen. Als sie das Zimmer fertig inspiziert hatte, begann sie ihre Klamotten in den Schrank zu sortieren. Irgendwann rief dann Paula sie zum Essen. Es gab ein sehr verbranntes Rührei mit Speck und ein Brot mit Marmelade. „Entschuldigung, aber ich kann einfach nicht kochen.“ Lucy lächelte, sie wusste nicht warum, aber sie mochte Paula: „Ich kann für dich kochen, so als Gegenzug dafür, dass du mich aufnimmst, das ist wirklich nett von dir.“ Paula sagte lange nichts, doch dann: „Lucy, es wäre schön, wenn du kochen würdest, ich sehe das nicht als Bezahlung oder so etwas. Ich habe dich gern zu mir genommen. Nur eins will ich bitte wissen: Wie erging es dir, nachdem Annie starb?“ Sie hatte es behutsam ausgesprochen, als hätte sie Angst vor der Wirkung der Worte, doch Lucy zuckte trotzdem zusammen als ihre Mutter erwähnt wurde. Aber sie erzählte: Von der Beerdigung vom Heim, von den vielen Familien, die sie immer wieder abwiesen. Sie erzählte und erzählte und merkte gar nicht, dass sie bitterlich weinte. Als sie geendet hatte, nahm Paula sie in den Arm und sagte: „Ich verstehe, du hast dir kein Leben mehr vorstellen können, so ohne Annie und da hast du einfach niemanden an dich herangelassen. Du hast auf deiner eigenen einsamen Insel gelebt, nicht wahr?“ Lucy nickte. „Und meinst du“, fing Paula an, „dass ich mit auf deine Insel kommen darf?“ Sie blickte Lucy an und fügte schnell hinzu: „Also, nicht jetzt sondern erst wenn du dazu bereit bist.“ Doch da hatte Lucy schon genickt. Die nächsten Tage waren wundervoll, sie gingen schwimmen, aßen Eis oder lagen einfach im Gras und redeten. Doch dann, eines Nachts, wurde Lucy von einer Sirene geweckt. Aufgeregt lief sie hinunter in den Garten und sah gerade noch, wie zwei Sanitäter Paula in den Wagen hoben und davon fuhren. Schluchzend warf sie sich auf die Erde. Was hat Paula nur und wieso nehmen sie mich nicht mit? Was soll ich nur tun? Wer wird sich um mich kümmern? Als hätte man ihre letzte Frage erhört, kam eine ältere Frau auf das Haus zugelaufen. „Ich soll mich um dich kümmern“, krächzte sie, „nun komm schon mit und hör auf zu heulen!“ Stumm starrte Lucy die Dame an, stand aber auf und lief hinter der Frau her. „So, du bist also das Balg das Paula aufnehmen musste. Deine Mutter wollte dich wohl nicht mehr, was?“ Lucys Gesicht verlor jegliche Farbe. „Das ist nicht wahr!“, zischte sie. „Und ob das wahr ist! Du kleines verlogenes Biest, warst zu blöd um das zu verstehen, aber ich bin mir sicher: Niemand, sowohl hier als auch in Berlin nicht, wollte dich je haben!“ Nun wurde Lucys Gesicht, wenn das überhaupt möglich war, noch blasser. Sie erwiderte nichts. „Siehst du, dir fällt nicht mal was dagegen ein. Das ist doch Beweis genug.“ Lucys Gesicht war jetzt so weiß wie eine (sehr saubere) Wand. „Meine Mutter konnte sich nicht mehr kümmern!“ Sie hatte ohne es zu merken geschrien. „Ja, ja! Natürlich wollte sie dich nicht-“ „Nein!“, brüllte Lucy. „Sie ist verdammt noch mal tot! Verstehst du: tot!!!!!“ Erschrocken zuckte die Frau zusammen und auch Lucy war überrascht, sie hatte noch nie einen derartigen Ausbruch gehabt. Doch schon murmelte die Frau: „Quatsch! Alles ausgemachter Blödsinn.“ Damit zog sie Lucy zu einem Haus, auf dessen Klingelschild stand: Frau Wegner. Als Lucy sicher war, dass die Alte schief, schlich sie in die Küche, es lag ein Zettel auf dem Tisch: Sana Klinik Nürnberg, stand da. Sie packte einen Laib Brot und eine Flasche Milch in einen Beutel. Dann lief sie aus dem Haus. Es waren fast drei Stunden, die sie durch lief, und sie schaffte es tatsächlich bis zur Klinik. Sie eilte zum Empfangstresen, an dem eine müder aussehende Frau stand. „Was kann ich für sie tun?“, frage sie lahm, doch dann schreckte sie hoch, „Hey, Kleine! Wo sind denn deine Eltern?“ Lucy lächelte matt. „Je nachdem wie sie das sehen. Entweder da unten“, sie wies auf den Boden, „oder da oben“, sie wies in den Himmel. Die Frau nickte betroffen und fragte dann: „Was willst du denn dann hier?“ „Ich will zu meiner Großtante, Pauline Meiner. Sie wurde heute von Krankenwagen abgeholt, die Sanitäter haben mich allerdings vergessen.“ ;Mitleidig sah die Frau Lucy an. „Tut mir leid, es darf kein Besuch zu ihr, du musst zurück und später wiederkommen.“ Da schluchzte Lucy wieder. „Dann hatte sie Recht! Niemand will mich haben!“ Da nahm die Frau sie in den Arm und meinte: „Es sind besondere Umstände, da mach ich mal eine Ausnahme.“ Sie zeigte Lucy das Zimmer ihrer Tante und Lucy ließ sich, plötzlich todmüde, in das Bett neben ihr fallen… Sophia Rörig


Das Herz der Insel Die Blasket Islands sind eine Inselgruppe, die aus zwölf Inseln besteht und nahe der Küste von Irland liegen. Auf den fünf größeren Inseln haben früher Menschen gelebt. Die Hauptinsel heißt „Great Blasket“, aber ich möchte über eine viel kleinere Insel namens Beginish erzählen. Auf ihr gibt es ganze Kolonien von Küstenseeschwalben und Kegelrobben. Ich möchte von einer Küstenseeschwalbe erzählen, die Peig hieß. Sie wohnte mit ihrer Familie auf Beginish und hatte viele Freunde, mit denen sie jeden Tag über die ganze Insel flog. So blieb ihr auch nicht unbekannt, dass es immer kühler wurde. Die Tage wurden dunkler, nachts sah man den Mond nicht mehr und es flogen dunkle Raben über den Himmel. Vor allem war es komisch, da gerade Sommer war. Ihre Freunde meinten nur, dass sie sich bestimmt in der Jahreszeit geirrt hätte und alles wieder normal werden würde. Als Peig die älteste und weiseste Küstenseeschwalbe fragte, redete sie nur wirres Zeug über ein Herz der Insel, Raben und den Untergang. Die war ja total verrückt! Peig ging erst einmal schlafen. Im Traum erschien ihr ein Engel. Er erklärte: „Ich bin dein Schutzengel. Das Herz der Insel ist kaputt. Du findest es in der alten Mine. Wenn es nicht bald repariert wird, wird die Insel im Meer versinken und um sie zu retten, muss man das Herz der Insel mit Drachenfeuer kleben. Um das Feuer zu bekommen, musst du nach Great Blasket fliegen.“ Am nächsten Morgen grub sie sich durch alle Bücher, die sie nur finden konnte. Alles was der Engel gesagt hatte, war wahr (Nicht, dass es ein Herz der Insel gab, das hatte ja bisher keiner herausgefunden). Sie ging als erstes in die Mine, um das Herz zu suchen. Plötzlich hörte sie Schritte. Schnell versteckte sie sich hinter einem Stein. Bestimmt war es eine oder einer von ihren Freunden. Sie würde ihn oder sie erschrecken, wenn es jemand von ihren Freunden war. Zu ihrem Erstaunen war es ein Rabe. Er hielt an und sagte zu sich selbst: „Wo bleiben die denn?“ Dies war die einmalige Gelegenheit, ein Rabengespräch zu belauschen. Deshalb blieb Peig hinter ihrer Deckung. Ein paar Minuten später kamen drei andere Raben, die komischerweise einen Raben ungefähr in Peigs Alter mit sich schleppten. Er wehrte sich und schrie: „Warum zerstören wir die ganzen Inseln überhaupt?“ Peig konnte nicht länger zusehen. Sie sprang aus ihrer Deckung, schnappte sich den jungen Raben und flog nach draußen. Der Rabe dirigierte sie dabei so hinaus, dass sie unterwegs noch an den Scherben des Herzes vorbeikamen (sie nahmen diese natürlich auch mit). Sie mussten weit fliegen, um die Raben abzuhängen. Der junge Rabe fragte: „Wie heißt du? Ich heiße Dubh.“ „Ich heiße Peig“, antwortete Peig: „Warum zerstören die Raben die ganzen Herzen der Inseln?“ Jetzt machte Dubh ein trauriges Gesicht und sagte: „Vor langer Zeit lebten alle Raben auf einer Insel. Eines Tages passierte genau das Gleiche wie auf eurer Insel. Es wurde kalt und dunkel. Danach dauerte es nur noch eine Woche und unsere Insel begann im Meer zu versinken. Das Herz konnten wir noch retten, doch es war schon zerstört. Alle Raben wollten eine andere Insel suchen, alle bis auf einen. Den Rabenkönig. Er ist der mächtigste Rabe, den es gibt und er hat eine uralte Macht entdeckt, die es ihm erlaubt, andere Raben zu unterwerfen. Das tat er nun mit allen Raben auf der Insel. Seitdem zog er mit den Raben umher und zerstörte alle Herzen der Inseln, die er finden konnte. Er sammelt sie alle in einem Beutel.“ „Wir müssen diesen Beutel bekommen!“, rief Peig. „Man kann sie nicht reparieren. Mit keinem Kleber der Welt.“, erwiderte Dubh. Da meinte Peig: „Irgendwie muss es doch gehen. Sag mal, warum bist du nicht mit dem Zauber belegt?“ Dubh wurde etwas verlegen und sagte: „Letztens war ich mit einem Überwachungstrupp unterwegs als der Chef, der jetzt natürlich nicht mehr mein Chef ist, zu einem Meeting rief. Die anderen sind schnell weggeflogen und ich kam nicht schnell genug hinterher. Eine alte Küstenseeschwalbe hat mich abgefangen und mir etwas zu trinken gegeben. Seitdem bin ich wieder normal.“ In dem Moment fiel Peig etwas ein. „Wir können das Zusammenkleben mit Drachenfeuer probieren! Ein Engel aus meinem Traum hat gesagt, dass Drachenfeuer Sachen repariert. Aus einem der Bücher weiß ich, dass man trotzdem vorsichtig sein muss, weil es lebendigen Wesen Schaden zufügt. Auf Great Blasket leben Drachen. Wir sollten mal rüber fliegen. In der Luft sind wir sicher, weil Drachen schon seit hunderten von Jahren nicht mehr Fliegen können.“ meinte Peig plötzlich. „Okay“, erwiderte Dubh. „Aber wir müssen erst den Beutel mit den Herzen stehlen.“ Sie flogen noch einmal zur alten Mine, um den Beutel zu holen. Das stellte sich als einfach heraus, weil alle Raben draußen nach ihnen suchten. Dabei waren sie doch jetzt drinnen! Als sie mit dem Beutel wieder nach draußen kamen, machten sie sich gleich auf den Weg nach Great Blasket. Erst als sie dort ankamen, merkten sie, dass es fast unmöglich war, einen netten Drachen zu finden. „Ich würde sagen wir haben einen Versuch. Wenn dieser fehlschlägt, werden wir gebraten.“, meinte Dubh. Peig sagte: „Nicht so schnell. Wenn wir es schlau anstellen, stehen unsere Chancen höher.“ Sie flüsterte Dubh etwas ins Ohr. Kurz darauf suchten sie schon einen möglichst weit abseitsstehenden Drachen. Sie fanden ihn auch etwa zehn Minuten später. Dubh flog voraus und versteckte sich, ohne dass der Drache ihn sah, hinter einem Felsen. Peig flog mit dem Beutel direkt auf den Drachen zu. Sie flog ihm um den Kopf, zog an seinen Hörnern und machte es sich da gemütlich, wo der Drache sie nicht erreichen konnte. Irgendwann wurde es dem Drachen zu viel und als dann auch noch Dubh hinter seinem Felsen hervorkam spie er endlich Feuer. Peig setzte sich schnell auf die Drachenschnauze und hielt den Beutel ins Feuer. Es funktionierte! Danach flogen sie zurück nach Beginish. Sie stürzten mit allen anderen Küstenseeschwalben den Rabenkönig und die Raben retteten alle Inseln wieder. Auch ihre eigene. Annelies Mohn

Die sagenhafte Schatzinsel Es waren einmal zwei Freunde, die schon immer Piraten sein wollten. Tom und Lukas wollten unbedingt Piraten werden, um dann wunderschöne Schätze zu finden. Die beiden überlegten, wie sie das anstellen sollten. Ihre Eltern wollten nichts davon hören, weil sie Piraten hassten. Deshalb beschlossen sie heimlich, einen Piratenclub jeden Dienstag zu machen. „Komm!“, rief Lukas, „Hier sind welche, die wir fragen könnten.“ Die beiden versuchten seit Wochen andere Kinder zu überreden, an ihrem Club teilzunehmen. Doch immer ließen sich die Leute Ausreden einfallen. Ein vielleicht 10-jähriges Mädchen hatte gesagt, dass sie dienstags immer Eis essen gehe, obwohl es Herbst war! Ein andermal antwortete ein Junge, er würde dienstags immer im großen Hallenbad in der Nähe Schwimmen gehen, doch Lukas fand heraus, dass das Schwimmbad nur von Mittwoch bis Samstag aufhatte. Doch nun sollte es endlich mal funktionieren! Gespannt wandten sich Lukas und Tom einer Gruppe aus fünf Mädchen zu. „Entschuldigung, könnten wir euch bitte mal unterbrechen?", fragte Lukas. Tom sprach weiter: „Wir wollen am Dienstag einen Piraten-Club eröff...“ Doch beim Wort "Piraten" rannten die Mädchen kreischend davon. Enttäuscht gingen Tom und Lukas in Richtung Geheimversteck, dass sie in den Dünen am großen Strand errichtet hatten. Als Geheimversteck diente ihnen ein kleines Schiffchen, das hier einmal angeschwemmt worden war. Doch schon von weitem hörten sie, dass jemand auf dem Schiff war. Vorsichtig schlichen sich die beiden an, um den Einbrecher zu ertappen. „Schnell hinter die Kiste da!“, wisperte Lukas Tom zu. Doch als sie um die Ecke der mannshohen Kiste schlichen, entdeckten sie zu ihrer Verblüffung - einen Papagei. „Piraten, Piraten, los, los, Karte, Karte!“ krächzte der Papagei. Tom und Lukas sahen sich stirnrunzelnd an. Doch dann begriff Tom: „Lukas, wir sind doch Piraten! Und der Papagei will los, also fahren wir mit dem Schiff! - Hey, du da! Hast du etwa eine Schatzkarte gefunden?“ Der Papagei antwortete nicht, sondern hüpfte in die winzige Kajüte des Schiffes. Unsicher folgten die beiden ihnen. Und tatsächlich! In der Kajüte des Schiffes stand eine noch nasse Flasche, in der ein Zettel steckte! Gerade wollte Tom nach ihr die Hand ausstrecken, doch der Papagei flatterte wütend dazwischen. „Ich fahr mit, ich fahr mit!“, krächzte der Papagei. Tom und Lukas sahen sich an und antworteten dann im Chor: „Gerne doch!“ „Los, Anker lichten!“, rief Lukas, der der Kapitän war. Sie hatten beschlossen, am folgenden Tag zu starten. „Ich steuere!", krächzte der Papagei, den sie Lupi genannt hatten. Tom, der die Karte gerade zusammen mit Lukas studiert hatte, antwortete nur: „Wenn du das kannst, mach es!“ Freudig machte sich Lupi an die Arbeit. Und er war gut! „Also", erklärte Tom Lukas und Lupi laut, „als erstes müssen wir uns ca. einen Tag nördlich halten, dann müssen wir durch eine Gruppe scharfer Felsen fahren und anschließend kommen wir zu einem Gebirge, in deren Mitte sich eine Insel befindet. Und hier“, Tom deutete auf ein Kreuz in der Mitte der Insel, „ist bestimmt ein Schatz versteckt.“ Also fuhren die drei los. Erst einen Tag nördlich und danach... „So“, bemerkte Tom, „wir müssten jetzt da sein!“ „Wie sollen wir denn durch diese scharfen Felsen segeln?“ fragte Lukas zweifelnd. „Taucheranzug, Taucheranzug!“ zwitscherte Lupi. Tom, der Lupi mitgenommen hatte, antwortete: „Ich habe tatsächlich einen Taucheranzug gebastelt, in der Nacht bevor wir losgesegelt sind. Und meine Eltern haben nichts bemerkt!“ „Oh, nein!“, stöhnte Lukas, „wir haben vergessen unseren Eltern Bescheid zu geben, dass wir für ein paar Tag weg sind!“ Daraufhin hatte keiner etwas zu sagen. „Wollen wir lieber zurück?“, fragte Lukas unsicher. „Auf gar keinen Fall!“, bestimmte Tom, „Ich ziehe den Taucheranzug jetzt an und führe euch durch diese Felsen.“ Ein paar Augenblicke später ließ sich Tom vorsichtig ins Wasser. Er tauchte immer wieder auf, um Lukas und Lupi Informationen zu geben, an welcher Stelle sie das Schiff sicher durch die Felsen steuern konnten. Schließlich hatten sie es geschafft und gelangten an den Rand des Gebirges. Schon von weitem hörte man den Wind heulen. „Das sieht echt heftig aus! Wie sollen wir denn da durchfahren?“, fragte Lukas nach einiger Zeit. „Fliegen, fliegen!“, war die Antwort von Lupi. Und wieder antwortete Tom: „Wer hat denn etwas von "durchfahren" gesagt? Natürlich fliegen wir!“ „Fliegen?“, wollte Lukas wissen, der wieder einmal keine Ahnung hatte, was Tom in der Nacht bevor sie losgesegelt waren, getan hatte. „Also, ich habe Flugsegel gebastelt, mit denen wir auf die Insel fliegen können!“ berichteteTom strahlend. „Na gut!“, kam es von Lukas. Also banden die Freunde vorsichtig den Anker an einem scharfen Felsen fest, spannten die Flugsegel und sprangen nacheinander in die Luft. An Lupis Bein hatten sie ein Seilende geknotet, dessen anderes Ende an Lukas befestigt war. Und dann flogen sie los! Die drei Freunde hatten es sicher geschafft, trotz Gewitter und Sturm die hohen Felsen des Gebirges zu überfliegen. Durchnässt und vollkommen mitgenommen landeten sie auf der anderen Seite des Gebirges auf der geheimnisvollen Insel. Tom ging mit der Karte, auf der Suche nach der Stelle, an der das Kreuz eingezeichnet war, voraus. „Hier muss es irgendwo sein“, sagte Tom nach einer Weile. Lukas kam keuchend hinter Tom angerannt. „Komm, wir fangen hier an zu graben!“ meinte Tom, doch ein plötzlicher Schrei ließ ihn herumfahren. Lukas war mit Lupi in ein Erdloch gerutscht. „Gold!“, kam die gedämpfte Stimme von Lukas aus der Tiefe. Und tatsächlich. „Rubine!" japste Tom, der sich über den Rand gelehnt hatte. „Nur, ich habe nicht daran gedacht, wie wir den Schatz hier wegschaffen können!“ erwiderte Tom traurig. „Kein Problem! Hier liegen dutzende Säcke!“ schilderte Lukas, der glücklich war, auch einmal eine Idee zu haben. Sie packten alles in die Säcke und machten sich auf den Rückweg. Zuhause erwartete sie natürlich ein riesiges Chaos, denn zum einen hatten die besorgten Eltern ihre vermissten Söhne wieder, zum anderen war die Familie jetzt steinreich. Doch das Beste war, nachdem die Geschichte in der Zeitung veröffentlicht wurde, wollten vierundzwanzig Kinder dem Piraten-Club beitreten. Und von da an liebten die Eltern von Tom und Lukas Piraten...

Anouk Schierenbeck

Jahrgangsstufe 8-10 Wunschinseln „Willkommen! Schön, dass du hier bist. Wo du bist? Das siehst du doch. Physische Daten zu diesem Ort kann ich dir allerdings bedauerlicherweise nicht sagen. Wie du hierhergekommen bist? Nun ja, lassen wir das fürs Erste, die Hauptsache ist, dass du jetzt hier bist. Ich kann dir zu meinem Bedauern schlecht sagen, wer ich bin, aber versuche bitte, mir zu vertrauen. Ich weiß, bei einer ominösen Stimme aus dem Off ist das leichter gesagt als getan. Du bist schließlich nicht die erste Person, der ich diese Welt hier zeige. Wie du vielleicht schon gemerkt hast, befinden wir uns auf einer weißen Insel. Also wirklich alles ist hier momentan weiß. Das liegt daran, dass du ja gerade erst angekommen bist. Je länger du hier bist, desto weniger Weiß wirst du sehen. Es sei denn du willst es. Dann viel Spaß in dieser Einöde. Diese Insel ist das, was du daraus machst. Du kannst hier Bäume pflanzen, Menschen hierher holen, eine Diktatur erschaffen oder die Anarchie ausrufen – mit einem Haken. Alles, was du hier kreierst, muss ein eigener, tiefster Wunsch sein. Du kannst hier nichts erschaffen, niemanden holen und nichts machen, was nicht von äußerster Bedeutung für dich ist. Keine Sorge, niemand aus dem realen Leben wird mitbekommen, was du hier tust. Ach, ich dachte schon, dass du realisiert hast, dass diese Welt hier nicht real ist. Die Menschen, die du hierher bringst, sind selbstverständlich auch nicht real, handeln aber genau so, wie sie im echten Leben handeln würden – nicht, dass diese Insel hier nicht echt ist. Sie ist echt, aber eben nicht im realen, materiellen Leben. Das, was du hier fühlst ist echt, was du hier tust ist echt – vielleicht teilweise sogar echter als im realen Leben. Aber nichts davon findet in der materiellen Welt, die du kennst, statt. Eine andere Stimme wird dir bald zeigen, wie du hier Dinge und Menschen erschaffen kannst. Ich hoffe, du hast eine schöne Zeit hier! Viel Vergnügen!“ Diane Langeloh

La Gomera Ich sehe den Pescante de Hermigua auf La Gomera, vor vielen, vielen Jahren wurden hier einst Bananen auf riesige Schiffe verladen, um die Reise in ferne Länder anzutreten. Ich habe einmal gehört, dass La Gomera, die zweitkleinste Insel der Kanaren westlich von Afrika, ein Paradies sei. Und ich muss dem zustimmen, soweit das Auge reicht schöne Landschaften, das tobende Meer und vor allem nicht so viele Touristen. La Gomera ist ein echter Geheimtipp ;) Die Strömung des Meeres ist zu stark, um hier zu schwimmen, aber die alten Grundmauern der ehemaligen Bananenverladestation grenzen eine Art Pool ab, der durch die überschwappenden Wellen mit frischem Wasser versorgt wird. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke meine Eltern an der Küste. Aber sie sehen anders aus, so viel jünger. Mama ist wunderschön, sie hatte damals schon kurze Haare und mit dem Lachen auf den Lippen macht sie der strahlenden Sonne Konkurrenz und auch Papa habe ich noch nie so glücklich gesehen. Sie lachen, rennen hintereinander her und springen dann gleichzeitig mit einer Arschbombe ins kalte Wasser. Eine Fontäne spritzt hinauf in den Himmel und kommt im Licht glitzernd wie tausend Diamanten zurück auf die Erde. Prustend tauchen meine Eltern wieder auf und schauen sich verliebt in die Augen. Sie drehen sich um und schwimmen zur hinteren Mauer, die zum Meer zeigt und gucken auf die Wellen. Ich schaue mich noch ein wenig um. Hier ist echt wenig los, ich kann nur noch eine alte Frau sehen, die mit ihrem Hund die Küste entlang geht und ein weiteres Paar, das sich auf den Steinen sonnt. Um mich herum gibt es sonst nur die steinige Felswand und diese alte Verladestation, von der nur die Grundmauern und die vier Betonpfeiler, an welchen die Bananenschiffe festgemacht wurden. Am Horizont kann man auch einen zarten Streifen der Küste unserer Nachbarinsel Teneriffa erkennen. Das Bellen des Hundes reist mich aus meinen Gedanken und ich sehe, dass Mama und Papa aus dem Becken geklettert und zu ihren Handtüchern gegangen sind. Dort liegen sie gemeinsam Hand in Hand auf dem Rücken und lassen sich von der Sonne trocknen. Mir fällt auf, dass sie beide ein wenig mehr Farbe im Gesicht haben als sonst, Papa muss aufpassen, dass er keinen Sonnenbrand bekommt (bei uns geht das sehr schnell). Das muss er sich auch gedacht haben, denn er nimmt kurz darauf sein Basecap und legt es sich über sein Gesicht, wie er es heute noch tut. Mama schaut auf ihre Uhr, sie sagt: „Noch eine halbe Stunde, dann ist es soweit“. Ihre Augen leuchten vor Vorfreude und ein Lächeln schleicht sich auf ihre Lippen. Ich weiß ganz genau, worauf sie so sehnsüchtig wartet, schließlich haben wir zu Hause etliche Bilder von den atemberaubenden Sonnenuntergängen. Ich kann sie gut verstehen, vor allem auf Gomera ist das Farbspiel von den ineinander verlaufenden Rot-, Orange- und Gelbtönen nicht anders als mit wunderschön zu beschreiben. Nach einer Weile richten sich meine Eltern wieder auf, packen ihre Sachen zusammen und machen sich auf den Weg. Sie verabschieden sich von dem andern Pärchen und steuern einen kleinen versteckten Kiespfad an, der mir vorher zwischen all dem Gestein noch gar nicht aufgefallen war. Schlängelnd zieht er sich durch den Fels hinauf und ich bemerke erst jetzt, wie wundervoll auch die Natur um uns herum ist. La Gomera muss eine vulkanische Insel sein, ich habe noch nie eine solche Vielzahl an verschiedenen Pflanzen gesehen wie an diesem Weg und hoch über uns erhebt sich ein grün bewachsener Berg. Wir haben das Ende des Pfades und somit den kleinen gepflasterten Parkplatz erreicht auf dem nur ein Auto steht. Aber meine Eltern gehen an dem Auto vorbei zum Fahrradständer, dort steht jedoch nur ein Fahrrad...Sie legen die Tasche mit den Badesachen in den Korb am Lenker und Mama nimmt die Kamera in die Hand. Sie richtet kurz Papas Basecap und bittet ihn für sie zu lächeln. Er lächelt nicht, er strahlt und schaut dabei nicht in die Kamera, sondern tief in Mamas Augen. Sie drückt ab und lacht, sie ist glücklich hier mit Papa zu sein, man sieht ihr an, dass es ihr gut geht. Auch ich muss lächeln. Papa schwingt sich aufs Fahrrad und Mama setzt sich hinter ihn auf den Gepäckträger, der mit einem Kissen gepolstert ist. „Kann es losgehen?“, fragt Papa, wobei er sich nach hinten zu ihr umdreht. Nach Mamas Einverständnis tritt Papa ordentlich in die Pedale und die beiden rollen langsam davon. Der Himmel verfärbt sich langsam, erst wird er leicht rosa und wird dann in ein tiefes Orange getaucht. Von meinen Eltern sehe ich nur noch die Silhouette und höre ihr Lachen. Ich öffne meine Augen wieder und merke, dass ich im Wohnzimmer eingeschlafen bin, als ich die alten Bilder durchgeschaut habe. In meiner Hand halte ich zwei Fotos, auf dem ersten sieht man Papa mit seinem Basecap und einem fröhlichen Grinsen, das zweite zeigt den wunderschönen Sonnenuntergang aus meinem Traum. Es hat sich fast so angefühlt, als wäre ich wirklich dabei gewesen...Wenn ich älter bin möchte ich auch nach La Gomera reisen und die Insel und ihre Schönheit entdecken. Lilly Persch


Oberstufe: Auftrag Trauminsel Ich wünschte, ich hätte es nicht getan. Was für einen Sinn hat es, noch weiter zu machen? Jeder Tag fühlt sich gleich an, Veränderung gibt es nur durch programmierte Nachrichten, mehr nicht. Ich kann mich nicht mal daran erinnern, wie lange ich das schon mache. Ich lächle verbittert. Es lebt kein einziges Wesen auf diesem verdammten Planeten, das sich in irgendeiner Weise mit mir in Verbindung setzen kann. Meine Aufgabe macht mich zum einsamsten Menschen im ganzen Universum. Das ist wohl einmalig. Die Trauminsel zu finden, das ist es. Man sagte mir, dass ich nach der Erfüllung dieses Auftrags endlich frei wäre. Komplett frei, für immer! Aber was bedeutet das für mich? In mir ist nicht mehr viel übrig, was frei sein könnte. Ich lege mich hin und schaue nach oben. Meine Station habe ich nach Anweisungen vom Mutterschiff zerstört, es bleibt nicht viel übrig als zu warten. Der Himmel über mir füllt sich mit weichen und dicken Wolken. Die Sonnen scheinen kräftig durch die Wolkenfassade und es ist so heiß, dass es sich anfühlt, als ob ringsum ein Feuer brennt. Ich spüre die Wärme durch die vielen Schichten, durch meinen Helm auf meiner Haut, sogar in meinem Kopf. Es tut nach den kalten Nächten immer gut, doch es erinnert mich zur gleichen Zeit daran, dass der Zustand dieses Planeten mich schon hätte umbringen sollen. Mein Anzug kann dank der widerstandsfähigen Materialien viel aushalten, mein Körper lässt sich durch äußere Einflüsse nicht verletzen. Viel zu entdecken gibt es auf diesem Planeten nicht, das merkte ich schon nach den ersten Augenblicken nach meiner Ankunft. Menschen hätten hier keine Überlebenschance. So oder so besagen meine Auftrags Anweisungen, dass 730 Stunden hier verbracht werden müssen, um die Kompatibilität dieses Planeten zu überprüfen. Denn davor wird mir sowieso kein Shuttle runtergeschickt. Am Himmel sieht man plötzlich etwas glühend in Richtung Oberfläche zischen. Ich blinzle, und einige Kilometer entfernt landet das kleine Shuttle. Das ist mein Zeichen. Langsam aufstehend strecke ich mich und fange an, in dessen Richtung zu gehen. Jeder Schritt hinterlässt im schwarzen, weichen Sand einen Abdruck, der nach kurzer Zeit vom beständigen, trockenen Wind verweht wird. Ich überlege weiter. Verhält sich die Bedeutung meiner Existenz wie die Fußabdrücke unter meinen Füßen auf diesem Sand? Wie etwas, was in der Weltgeschichte nach einem Wimpernschlag schon lange vergessen ist? Während ich mich dem Shuttle nähere, fällt mir überrascht auf, dass es seit unserer letzten Begegnung einige Kratzer abbekommen hat. Das bringt mich zum lachen, weil diese Weltall-Kapsel mir als Einziges ein Gefühl von Familiarität gibt, das Gefühl eines Zuhauses. Es war mir bisher immer treu und erfüllt durchgehend dessen Dienste. Seufzend öffnet sich die Luke zum Inneren des kleinen, robusten Transporters. Wieder eine Abreise, nochmals ein Planet. Ich klettere ins Innere. Wann wird dies enden? Wo ist die verdammte Trauminsel? Ich bin müde, und ich bin erschöpft. Zischend schließt sich die Luke. Der Innenraum ist dunkel. Auf mir lastet unser großes Schicksal, doch ich kann nicht mehr. Ich wünschte, ich hätte es nicht getan. Auftrag; Trauminsel. Livia Yajing Fiebrandt